PVC-Rezyklat in der Fensterproduktion: Nachhaltigkeit durch geschlossenen Materialkreislauf
In diesem Artikel lernen Sie Folgendes:
- Moderne Hersteller setzen auf einen geschlossenen Materialkreislauf, bei dem ausgediente PVC-Fenster sorgfältig demontiert und die wertvollen Materialien für neue Produkte recycelt werden.
- Die Verwendung von PVC-Rezyklat in der Fensterproduktion reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen erheblich und schont somit natürliche Ressourcen.
- Durch den Einsatz von recyceltem PVC kann der Energieverbrauch in der Produktion gesenkt und die CO₂-Emissionen um bis zu 90 % reduziert werden.
- Recycling hat sich als Qualitätsstandard etabliert, da es hohe Umweltstandards erfüllt und eine nachhaltige Bauweise fördert.
- Recycelte PVC-Fenster sind ebenso langlebig und behalten ihre funktionalen Eigenschaften über viele Jahre bei wie herkömmliche Fenster.
- Nachhaltiges Bauen mit recyceltem PVC fördert eine Kreislaufwirtschaft, die langfristig sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist.

Nach 30 bis 40 Jahren erreichen PVC-Fenster das Ende ihrer Nutzungsdauer. Was dann passiert, unterscheidet moderne Hersteller von traditionellen Produzenten: Die alten Fensterrahmen werden nicht entsorgt, sondern zu hochwertigen Profilen für neue Fenster verarbeitet. Seit über 20 Jahren arbeitet die deutsche Fensterbranche an diesem geschlossenen Materialkreislauf – mit messbaren Erfolgen. Auch OKNOPLAST setzt konsequent auf nachhaltige Produktion und die Integration von Recyclingmaterial in der Fensterherstellung.
Warum Recycling in der Fensterproduktion Standard wurde
Die Zahlen sprechen für sich: 2019 haben europäische Hersteller von Kunststoffprofilen 363.000 Tonnen Recycling-PVC in ihre Produktion integriert. Das Ergebnis: eine CO₂-Einsparung von 726.000 Tonnen. Pro Kilogramm eingesetztem Rezyklat werden etwa 2 kg CO₂-Emissionen vermieden – hauptsächlich, weil die energieintensive Neuproduktion von PVC entfällt.
Der Grund für diese Entwicklung liegt nicht nur im Umweltbewusstsein. Seit 15 Jahren darf PVC-Bauabfall in Deutschland nicht mehr deponiert werden. Diese gesetzliche Vorgabe hat die Branche gezwungen, funktionierende Rücknahmesysteme aufzubauen. Heute ist Deutschland mit der Initiative Rewindo Vorreiter beim Kunststoff-Fensterrecycling in Europa.
Das Rewindo-System: Organisation macht den Unterschied
2002 gründeten führende deutsche Profilhersteller die Recycling-Initiative Rewindo. Das System funktioniert pragmatisch: Fensterbauer können Transportcontainer bestellen, in denen sie Altfenster sammeln. Die grobe Entglasung der Flügel wird empfohlen, Anhaftungen von Putz oder Montageschaum sind jedoch kein Problem. Das Entfernen von Beschlägen, Metallteilen oder Dichtungen ist nicht erforderlich.
2020 wurden über das Rewindo-System in Deutschland etwa 38.263 Tonnen PVC-Rezyklat aus Altfenstern gewonnen. Hinzu kommen jährlich etwa 78.000 Tonnen Produktionsabfälle – insgesamt also über 100.000 Tonnen recyceltes Material pro Jahr. Die Recyclingquote bei Post-Consumer-Abfällen liegt bei 85 Prozent.

Vom Altfenster zum neuen Profil: Der technische Prozess
In den Recyclinganlagen läuft ein mehrstufiger Prozess ab. Zunächst werden die angelieferten Altfenster in Industrieschreddern mit einer Kapazität von 10 Tonnen pro Stunde zerkleinert. Spezielle Abscheider trennen dann Metallbestandteile und Glas vom PVC-Mahlgut ab. Das verbleibende PVC wird in Schneidemühlen auf eine Korngröße von wenigen Millimetern zerkleinert.
Anschließend durchläuft das Material mehrere Aufbereitungsprozesse: Reinigung, Erhitzung und Siebung durch feine Filter. Das Ergebnis ist ein fast 100 Prozent sortenreines PVC-Granulat, das strengen Qualitätskontrollen unterliegt. Dieses Granulat kann bis zu sieben Mal wiederverwertet werden, ohne seine technischen Eigenschaften zu verlieren. Bei einer durchschnittlichen Fensterlebensdauer von 40 Jahren bedeutet das einen theoretischen Materiallebenszyklus von bis zu 280 Jahren.
Spezialisierte Recyclinganlagen arbeiten seit über 30 Jahren in diesem Bereich – TÜV-zertifiziert und nach höchsten Umweltstandards. Die größten Verwerter in Europa verarbeiten jährlich über 70.000 Tonnen Altmaterial und haben damit bewiesen, dass werkstoffliches Recycling im industriellen Maßstab funktioniert.
Coextrusion: Technologie für bessere Profile
Die Coextrusion hat sich als Schlüsseltechnologie etabliert. Bei diesem Verfahren werden mehrere Materialschichten gleichzeitig durch eine Düse gepresst und verschmelzen zu einem homogenen Profil. Der entscheidende Vorteil: Recyceltes PVC kann im Kern des Profils verwendet werden, während die Außenschicht aus neuem Material besteht.
Zwei Arten von Coextrusion in der Praxis
Für farbige Profile: Bei der PMMA-Coextrusion (Acrylglas) wird eine etwa 600 µm dünne PMMA-Schicht im Coextrusionsprozess unlösbar mit dem PVC-Kern verbunden. Das Ergebnis sind UV-beständige, farbstabile Profile, die auch nach Jahrzehnten ihre ursprüngliche Optik behalten. Die Plexiglas-Oberfläche ist porenfrei, glatt und besonders pflegeleicht – ein wichtiger Vorteil für die Langlebigkeit farbiger Fenster.
Für statische Verstärkung: Moderne glasfaserverstärkte Kunststoffe können im Coextrusionsverfahren mit PVC verschmolzen werden und ersetzen die traditionelle Stahlverstärkung in Fensterprofilen. Das Ergebnis: leichtere Profile mit besserer Wärmedämmung, da die Wärmebrücke durch den Stahl entfällt. Diese Technologie ist besonders relevant für Passivhaus-taugliche Konstruktionen und ermöglicht schlankere Profilgeometrien bei gleichbleibender Stabilität.

Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes erfüllen
Das GEG 2024 schreibt für neue Fenster einen maximalen U-Wert von 1,3 W/(m²K) vor, für Dachfenster 1,4 W/(m²K). Bei Sanierungen, bei denen mehr als 10 Prozent der Bauteilfläche erneuert werden, gelten diese Grenzwerte ebenfalls. Moderne Fenster mit recyceltem PVC-Kern erfüllen diese Anforderungen problemlos.
Der Referenzwert im GEG liegt bei einem Uw von 1,3 W/(m²K). Hochwertige PVC-Fenster erreichen heute U-Werte zwischen 0,8 und 1,0 W/(m²K) – unabhängig davon, ob im Kern Rezyklat oder Neumaterial verwendet wird. Die technischen Eigenschaften in Bezug auf Wärmedämmung und Stabilität bleiben identisch.
Für das vereinfachte Nachweisverfahren (GEG-easy) werden sogar Fenster mit Uw ≤ 0,90 W/(m²K) gefordert. Auch diese Werte sind mit recyceltem Material im Kern problemlos darstellbar. Die Coextrusion-Technologie spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie optimale Dämmwerte bei gleichzeitiger Verwendung von Sekundärrohstoffen ermöglicht.
Praktische Hinweise für die Fensterwahl
Beim Kauf neuer Fenster lohnt sich die Nachfrage nach dem Rezyklatanteil. Moderne Hersteller verwenden zwischen 25 und 80 Prozent Recyclingmaterial im Profilkern – abhängig vom jeweiligen Profilsystem und der Position des Materials im Profil. Bei OKNOPLAST setzen wir konsequent auf nachhaltige Produktion und integrieren Rezyklat dort, wo es technisch sinnvoll ist, ohne Kompromisse bei Qualität und Leistung einzugehen.
Was Bauherren wissen sollten
- Optisch gibt es keinen Unterschied zwischen Fenstern mit und ohne Rezyklat im Kern
- Die technischen Eigenschaften (Stabilität, Dämmung, Lebensdauer) sind identisch
- Die 10-jährige Garantie gilt unabhängig vom Rezyklatanteil
- Der Preis unterscheidet sich bei den meisten Herstellern nicht

Ausblick: Ambitionierte Ziele bis 2030
Die europäische PVC-Industrie hat sich in einer freiwilligen Selbstverpflichtung (VinylPlus) das Ziel gesetzt, bis 2030 jährlich eine Million Tonnen PVC zu recyceln. Die europäische Fensterindustrie soll mit 450.000 Tonnen recyceltem PVC maßgeblich zu diesem Ziel beitragen.
Diese Zahlen sind realistisch. Die Infrastruktur existiert, die technischen Verfahren funktionieren, und die Nachfrage nach nachhaltigen Bauprodukten steigt. Was vor 20 Jahren als Pionierarbeit begann, ist heute industrieller Standard – und ein Beleg dafür, dass Kreislaufwirtschaft im Bauwesen funktioniert.
Bei OKNOPLAST nehmen wir diese Verantwortung ernst. Unsere ISO 14001-Zertifizierung dokumentiert unser systematisches Umweltmanagement, und wir arbeiten kontinuierlich daran, den Anteil recycelter Materialien in unseren Produkten zu erhöhen – ohne Kompromisse bei Qualität und Langlebigkeit.
FAQ
Die Verwendung von PVC-Rezyklat bietet mehrere Vorteile, darunter die Schonung natürlicher Ressourcen, eine signifikante Reduktion der CO₂-Emissionen und eine verbesserte Ökobilanz von Gebäuden. Recyceltes PVC benötigt weniger Energie bei der Herstellung und trägt somit zur Nachhaltigkeit im Bauwesen bei.
Der Recyclingprozess beginnt mit der Sammlung und Demontage alter PVC-Fenster. Diese werden zerkleinert und in ihre Bestandteile zerlegt, wobei Materialien wie Metall, Gummi und Glasreste getrennt werden. Das verbleibende PVC wird gereinigt und zu Granulat verarbeitet, das als Rohstoff für neue Fensterprofile dient.
Coextrusion ist ein Verfahren, bei dem mehrere Schichten unterschiedlicher Materialien gleichzeitig extrudiert werden, um ein homogenes Profil zu schaffen. Dies ermöglicht die Kombination verschiedener Materialvorteile, wie verbesserte UV-Beständigkeit und effiziente Nutzung von Sekundärrohstoffen.
Ja, recycelte PVC-Fenster bieten eine hohe Qualität, die mit neuen Fenstern vergleichbar ist. Sie behalten wichtige Eigenschaften wie Wärmedämmung und Stabilität bei und sind ebenso langlebig wie herkömmliche Fenster.
Durch den Einsatz von recyceltem PVC anstelle von neuem Material können die CO₂-Emissionen um bis zu 90 % gesenkt werden. Dies reduziert den CO₂-Fußabdruck erheblich und verbessert die ökologische Bilanz eines Gebäudes.
Recycling hat sich als Qualitätsstandard etabliert, da es nicht nur zur Ressourcenschonung beiträgt, sondern auch hohe Umweltstandards erfüllt. Es fördert eine nachhaltige Bauweise und zeigt das Engagement für Innovation und Effizienz im Bauwesen.
Nachhaltiges Bauen mit recyceltem PVC unterstützt den Umweltschutz und schafft Bewusstsein für verantwortungsvolles Handeln in der Bauindustrie. Es fördert eine Kreislaufwirtschaft, die langfristig sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist.
Recycelte PVC-Fenster sind ebenso langlebig wie herkömmliche Fenster. Sie bieten eine ähnliche Lebensdauer und behalten ihre funktionalen Eigenschaften über viele Jahre hinweg bei.
Zwar können viele alte PVC-Fenster recycelt werden, jedoch hängt dies vom Zustand des Materials ab. Fensterrahmen müssen sorgfältig demontiert und gereinigt werden, um sicherzustellen, dass sie für den Recyclingprozess geeignet sind.
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